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Kulturkritisches Lexikon

Um dieses Lexikon zu nutzen, klicken sie oben auf den Anfangsbuchstaben des Begriffs, den sie suchen oder geben Sie den gesuchten Begriff (bzw. Begiffszusammenhang) oben im Suchfenster ein. Auch Leertasten und Umlaute werden übernommen.

Alle nicht namentlich gekennzeichneten Beiträge sind von Wolfram Pfreundschuh.

Hier wird ein Index über Begriffe entwickelt, die im Zusammenhang mit Kulturkritik stehen. Dies soll ein Lexikon der Kulturkritik werden, auf das von jeder beliebigen Textstelle im Internet direkt verwiesen werden kann. Dazu reicht die Anhängung des gesuchten Begriffs an das Gleichheitszeichen im Aufruf http://kulturkritik.net/lex.php?lex=_____

Das Kulturkritische Lexikon schien mir nötig, nachdem ich festgestellt hatte, dass die Sprache der Kulturkritik fast vollständig zerstört und unkommunizierbar geworden war. Es ist vielleicht ein Merkmal des Dekonstruktivismus, dass er nicht nur die Strukturen der institutionellen Gegebenheiten angreift, sondern auch sich selbst. Jedenfalls enthält Sprache die Möglichkeit zu einer Verständigung, die dann ausfällt, wenn mit gegensinnigen Worten Gleichsinn verbreitet und mit Begriffen hantiert wird, deren Bedeutung sich nicht mehr praktisch erschließt, sondern sich nur noch ideengeschichtlich oder aus dem "Diskurs" von Denkschulen verstehen lässt (vergleiche z.B. solche Unworte wie "Fetischisierung", "Vergesellschaftung" u.a.). Für viele Menschen ist die Gegensinnigkeit mancher Begriffe überhaupt nicht mehr klar. So wird z.B. Eigentum (Eigenes haben und zu eigen haben) und Besitz (militärischer Begriff für Besetzen, politisch als Rechtsbegriff des Besetzers) gar nicht mehr in ihrem gegensätzlichen Bezug begreiflich und damit schon der Zugang zu einer kritischen Reflexion der Eigentumsverhältnisse verwehrt.

Wenn Sprache noch Sinn formulieren, praktisches Bewusstsein sein soll, so müssen die Worte auf ihren Sinnbezug in ihrem praktischen Sein erläutert werden. Hierbei verhilft die Sprache durch ihre ganze Entwicklung und Tiefsinnigkeit selbst über die Zeit. Auch Philosophie lässt sich als Sprachtheorie begreifen, die ihren Hintersinn als ihre Weisheit, aber auch als ihre Koketterie offen legt. Von da her treffen sich viele "Disziplinen" in der Reflexion durch Sprache und können sich als Wissen des Seienden darin zusamenfinden und sich aus den Gepflogenheiten eitler Gedanken zu ihrem Bewusstsein befreien.

Wer an Sprache arbeitet, arbeitet auch mit ihr und wird in der Aufbereitung übernommener Begriffe nicht davon absehen können, wie er sie versteht. Worte implizieren Wissen und dieses kann offensichtlich gar nicht ohne Begrifflichkeit, ohne Theorie vermittelt werden. Das praktische Bewusstsein für sich gibt es nicht als "einfache Wahrheit"! Wer an ihm arbeitet wird unmittelbar selbst zum Theoretiker alleine schon dadurch, das er es befragt, sich Gedanken um seine Wahrheit macht und kritisch wird. Somit geriet natürlich vieles in der Auffassung der Begriffe zu einer Darstelllung meiner eigenen theoretischen Arbeiten. Das Kulturkritische Lexikon hat in diesem Fortschreiten nach den ersten Ausarbeitungen schnell einen Umfang erreicht, der nicht mehr einzudämmen war. Jede Hinterfragung eines Begriffs erläuterte zugleich einen anderen, von dem er sich abwandte. Es war, also ob die Worte im vereinzelten Dasein einer Sprache, die keine Begriffe zu kennen scheint, sich sehr bald zu den Gedanken einfinden, die sie längst enthalten - und dass sie sich hierdurch wie von selbst zu etwas Ganzem zusammenführen als Module eines Denkens, das sich aus dem Verschüttetenden als etwas ganz Neues herausarbeitet.

So enthalten Worte schon bestimmte Auffassungen, Fassungen von Gedanklichem aus vielen Jahrhunderten und haben hierdurch eine lange praktische Bewährung hinter sich. Die Ideologien der Zeit aber sind modisch und vergänglich. Das merkt man der Sprache an und kann es aufeinander beziehen. Wenn z.B. heute von Empfindung in dem Sinn gesprochen wird, als ob sie die Art und Weise des Erlebens und Auffassens auszudrücken habe, so meint das Wort selbst doch zuerst einen Gegenstand (Objekt), der gefunden ist (emp-finden = zu Ende finden), bevor er hierin von einem Mensch befunden, also subjektive Reflexion des Gefundenen) wird, bevor er Befindlichkeit in einem Menschen haben kann und sein Befinden (Gefühl) ausmacht. Die Sprache selbst offenbahrt ihre Dialektik, sobald man sie reflektiert - aber auch die Möglichkeit, mit Worten bestimmte Zusammenhänge zu verschleiern: Wenn Empfindung und Gefühl in ein und demselben Wortsinn für ein Art des Selbsterlebens verwendet werden, so wird über die Herkunft der Gefühle getäuscht - und auch darüber, wie entzweit die Wahrnehmung selbst sein muss, wenn sie diese nicht mehr unmittelbar erkennt.

Solche Feststellungen trafen sich mit den Erkenntnissen, die ich praktisch in meinem Leben und meinen Berufen als Verleger, Psycholog und Grafiker gewonnen hatte, und schon fand ich die Sprache in den Begriffen, die mir auch in meinem Denken geläufig waren. Es war, als ob alles bisherige Bewusstsein zu rekapitulieren sei als ein völlig neues Wissen des Gegenstands - als ein Wissen, das sehr alt ist, und das dennoch erst heute im vollen Umfang zu sich kommen, vollendet werden kann als das Modernste, was Wissenschaft zu bieten hat. So konnte ich mich von keiner Disziplin der Erkenntnis fern halten. Es begann 1978 und hört nicht mehr auf.

Zugleich zeigte sich in der Zerstörtheit der Sprache, dass an ihr selbst auch gearbeitet werden muss, dass es vielleicht gar keine andere Art der Wissenserarbeitung und -vermittlung mehr gibt, als das Durchdenken der sprachlich vorhandenen Begriffe (und die Aufstellung ihrer logischen Folge) im Zusammensein mit den Fakten des gegenwärtigen Lebens (z.B. auch Statistik). Das Lexikon ist in dieser Reflexion selbst zu einer Sprachanalyse, zu einem Kompendium von Wissensbereichen und zu einer eigenen Form von Kritik und Theorie geworden, die sich hier nun auch in ihrer Vermittlung selbst verstehen lassen will - und zwar im doppelten Sinn als Mitteilung und unmittelbare Anwendung: Zum einen als Information (vergl Zitate, Quellen, Statistik usw.) und zum anderen im Begreifen der Begriffe in ihrem gedanklichen Zusammenhang als Theorie, die sich dem informellen Gehalt zuwendet und sich selbst darin anschaulich macht, also konkret wird. Es ist dies vielleicht eine neue Art der Theorieentwicklung und -vermittlung, die allerdings nicht ohne ausdrücklich theoretische Zusammenstellung bleiben darf (siehe hierzu die Dialektische Systematik).

Neu ist somit auch die Technik der Vermittlung: Die einfache (horizontale) Verweisung der Begriffe und hierdurch eine unmittelbare Darstellung ihrer unendlichen Verflochtenheit, welche ihre wesntlichen Grundlagen wie von selbst entflechtet und als Bewusstsein zu den gegenwärtigen Lebensverhältnissen hervorbringt - online und transparent für alle, die mit etwas Geduld dem Vollzug folgen wollen. Es beweist sich zugleich durch diese "neue Technik" auch alte Wahrheit, dass sie nämlich nur das Ganze selbst sein könne (Hegel): Was in der Begriffsverlinkung im Lexikon sprachlich nicht funktioniert, das ist auch noch nicht zu Ende gedacht. Wohl denn. Auf zu einer neuen, einer technisch gestützten Beweisführung!

Es wird noch viel hieran zu arbeiten sein. Der große Zuspruch zu dieser Arbeit aber hat mich sehr gefreut und bestätigt mich schon jetzt darin, sie fortzusetzen. Ich bitte um Nachsicht bei der Lektüre: Meist ist der Text nur die erste, oft flüchtig in den Morgenstunden vor Beginn der Arbeit geschriebene Fassung, die manchmal nur Grundzüge des Gemeinten enthält und noch öfter überarbeitet werden muss. Aber das Lexikon lebt und wird von Tag zu Tag reifer. Ich hoffe, dass so auch ein Beitrag zur Rekonstruktion des linken theoretischen und praktischen Wissens geboten werden kann.

Wolfram Pfreundschuh (September 2003)

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